Neuer Krankenwagen für Rheinstetten DRK Mörsch investiert für Notfälle im kommunalen Bereich
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Rheinstetten. Wer der Ansicht ist, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen grundsätzlich die Kosten für einen qualifizierten Personentransport mit einem Krankenwagen übernehmen, der kann unschöne Überraschungen erleben. Hier ein Beispiel: Familie B. pflegt seit vielen Jahren die bettlägerige Oma Rosa in der eigenen Wohnung. Dafür ist man gut ausgestattet und wird von einem örtlichen Pflegedienst unterstützt. Zum ersten Mal (nach vielen Jahren) will sich die Familie einen Urlaub gönnen. Oma Rosa soll hierzu für drei Wochen in eine Kurzzeitpflege gebracht werden. Leider ist zur geplanten Zeit nur ein Platz in einem 15 Kilometer entfernten Pflegeheim frei. Bei einer telefonischen Vorbesprechung mit dem Leiter der zuständigen Rettungswache erfährt die Schwiegertochter, dass der Transport mit einem Krankenwagen in der Regel nicht von den Kassen übernommen wird. Ein entsprechender Kostenvoranschlag beläuft sich auf über 50 Euro. Zähneknirschend beauftragt die Familie das DRK aus Karlsruhe. Der eigentliche Transport von Oma Rosa erfolgt – abgesehen von einer Verspätung von fast drei Stunden am geplanten Abholtermin – problemlos, ebenso der Rücktransport drei Wochen später, der noch einmal in gleicher Höhe zu Buche schlägt. Die Sanitäter sind jedes Mal freundlich und entschuldigen sich für die Verspätungen: Notfälle!
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Die Hilfsorganisationen wie das DRK sind gegen solche Ungereimtheiten des deutschen Sozialversicherungssystems ebenso machtlos wie der Bürger selbst. Was nicht heißt, dass man nicht doch etwas dagegen tun kann. Der Vorstand des DRK in Mörsch hat deshalb beschlossen, planbare Krankentransporte von und nach Rheinstetten, die von keinem Kostenträger übernommen werden, durch ehrenamtliche Helfer mit einem eigenen Krankenwagen zu übernehmen. Da dieser ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert wird, ist eine solche „Sozialfahrt“ dann für Auftraggeber wie Familie B. kostenlos.
Der Vorstandsvorsitzende des DRK in Mörsch, Dr. Jürgen Schöchlin, erklärt: „Wir haben uns aus Gründen der Fürsorge für unsere Bevölkerung in Rheinstetten freiwillig und unabhängig von öffentlichen Zuschüssen dazu entschieden, ein geeignetes Fahrzeug vor zu halten, in bzw. mit dem Kranke und Verletzte z. B. bei größeren Unglücken fachgerecht versorgt und trasportiert werden können.“ Wo und wie viele solcher Krankenwagen stationiert sind, ist in Baden-Württemberg auf Bereichsebene geregelt. Im Gegensatz zu der gesetzlichen Verpflichtung der Kommunen beim Brandschutz, die dafür sorgt, dass jede Gemeinde eine eigene Feuerwehr ausstatten und unterhalten muss, ist das im Rettungswesen nicht so. Daher gibt es in Rheinstetten seit der Schließung der ASB-Wache im Jahr 1992 keinen regulären Krankenwagen mehr, und eine Genehmigung der Kassen für einen neuen ist nicht in Sicht.
Schöchlin weiter: „Auf dieses offensichtliche Defizit konnten wir erstmals im Jahr 2000 reagieren. Zusammen mit den Kollegen aus Forchheim haben wir zwei ausgemusterte Rettungswagen vom DRK-Kreisverband Karlsruhe erworben und für unsere Zwecke umgebaut. Leider waren diese Fahrzeuge damals schon einige Jahre alt und hatten entsprechend viele Kilometer auf dem Buckel. Der Mörscher Notfall-Krankenwagen war jetzt definitiv am Ende seines Lebens angekommen und wurde Anfang Dezember aus technischen Gründen still gelegt.“
Michael Kleinknecht und Frank Ayasse erhielten daher vom Vorstand des DRK-Ortsvereins den Projektauftrag, einen gebrauchten Rettungswagen zu beschaffen, was Ende Oktober auch gelang. Das Fahrzeug musste allerdings generalüberholt werden. Die notwendigen Arbeiten an der Karosserie wurden von der Firma Giese aus Malsch durchgeführt, welche das DRK seit Jahren wohlwollend unterstützt. Die Beklebung mit Leuchtfolien musste ebenfalls rundum erneuert werden, was die Firma Kuhn aus Bretten übernahm. Schränke und Schubladen im Patientenraum wurden von der Rheinstettener Firma FRIWA fachgerecht in Stand gesetzt. Und schließlich war es der örtliche Fahrzeug-Aufbereiter Peter Bozdech, der in stundenlanger Arbeit alles wieder zum Blitzen gebracht hat. Ein Dank geht auch an Wolfgang Follner und Josef Kästel, welche kurzfristig und unbürokratisch die Waschhalle der Feuerwehr Rheinstetten für die Reinigungsarbeiten zur Verfügung gestellt hatten.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Dem DRK Mörsch ist mit dem „neuen“ Notfall-Krankenwagen ein großer Schritt in die Zukunft sowohl aus technischer Sicht als auch bei der medizinischen Ausstattung gelungen. Der Krankenwagen ist seit Weihnachten einsatzklar und kann über die Rettungsleitstelle Karlsruhe unter der Nummer 19222 angefordert werden.




