Notfallhilfe / frist responder
| Unser "Schnelleinsatz-Team" (Notfallhilfe) im Jahr 1997. |
Einführung
Der Gedanke zur Verkürzung der Hilfsfristen durch Ersthelfer/First Responder wird seit Anfang der neunziger Jahre intensiv diskutiert und auch in der Praxis in regionalen Projekten realisiert. Im Gegensatz zu bisher üblichen Modellen, in denen ein Ersthelfer mit dem Privat-PKW zur Einsatzstelle eilt, stellen wir ein Konzept vor, bei dem ein Team von zwei Sanitätshelfern mit Einsatzfahrzeug bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes eingesetzt wird.
Hintergründe
Wenn von Hilfsfristen gesprochen wird, sind im allgemeinen die Definitionen in den einzelnen Rettungsdienstgesetzten der Länder gemeint. Sie betragen regelmäßig höchstens 15 Minuten und werden als Eintreffzeiten des organisierten Rettungsdienstes nach Eingang der Notfallmeldung bei der Rettungsleitstelle verstanden.
Es steht jedoch außer Zweifel, dass z. B. bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand, die Überlebenschancen des Patienten exponentiell mit der Eintreffzeit des Rettungsdienstes gegen Null gehen. Eintreffzeiten von 10 Minuten sind in diesem Fall schon als inakzeptabel zu bezeichnen. Verkürzungen des sog. therapiefreien Intervalls im Minutenbereich durch ausgebildete Ersthelfer - wie in dem unten geschilderten Konzept der Notfallhile (= frist Responder oder "Helfer vor Ort") - sind somit eine große Chance für den Betroffenen, sein Leben und/oder seine Gesundheit zu erhalten.
Das erste Konzept
Die Große Kreisstadt Rheinstetten befindet sich südlich von Karlsruhe. In Rheinstetten wohnen ca. 21.000 Menschen. Die drei Ortsteile Forchheim, Mörsch und Neuburgweier verfügen über eine dörfliche Struktur, in deren Gemeinschaftsleben die jeweiligen DRK-Ortsvereine nicht wegzudenken ist.
Die Eintreffzeiten des Rettungsdienstes aus Karlsruhe und Rastatt liegen in der Größenordnung zwischen 10 und 15 Minuten. Nach Schließung der ASB-Rettungswache in Mörsch im Jahr 1992 stand man beim DRK in Mörsch vor der Frage, wie die damit entstandene Lücke in der Notfallversorgung der Bevölkerung abgemildert werden kann. Auf Grund der Personalstruktur und eines vorhandenen Einsatzfahrzeug (KTW, Baujahr 1976) und der Tatsache, dass der reguläre Rettungsdienst am Wochenende mit einem auf ein Minimum reduzierten Fuhrpark arbeitet, entschied man sich für folgendes Konzept:
Es wurden sog. "Schnell-Einsatz-Teams", bestehend aus zwei Sanitätshelfern, gebildet. Diese besetzten am Wochenende zwischen samstags 19:00 Uhr und sonntags 19:00 Uhr den KTW, um im Einsatzfall unverzüglich ausrücken zu können. Es konnte sichergestellt werden, dass die einzelnen Helfer der Teams entweder im gleichen Haus (Ehepaare, Geschwister) oder aber in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander wohnen. Die Alarmierung erfolgt (bis heute) über die Rettungsleitstelle Karlsruhe mittels Funkmeldeempfänger.
Nach einer Planungs- und Ausbildungsphase von ca. neun Monaten konnte am 5. Juni 1993 das erste Team seinen Dienst aufnehmen.
RealisierungUm die Helfer auf Ihre Aufgabe vorzubereiten, war ein einheitliches Ausbildungskonzept notwendig. Neben der üblichen Sanitätsausbildung waren Kenntnisse im Umgang mit dem mitgeführten Material und der technischen Ausstattung des KTW wichtig. Außerdem wurde eine umfangreiche Funkausbildung durchgeführt. Die Helfer waren damit in der Lage, neben den unmittelbaren Maßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen dem eintreffenden Rettungsdienst oder einem vor Ort anwesenden Hausarzt zu assistieren. Dazu werden die gebräuchlichsten Notfallmedikamente und Infusionen mitgeführt. Nach Möglichkeit sollen die Helfer im Rettungsdienst hospitieren, um die Vorgehensweise des Rettungsdienstes kennenzulernen, Berührungsängste abzubauen und den direkten Kontakt zum Rettungsdienstpersonal zu pflegen.
Neben der notfallmedizinischen Grundausbildung während der regelmäßig zweimal im Monat stattfindenden Ausbildungsabende wurde viel Wert auf einsatztaktische Gesichtspunkte gelegt. Dies befähigt die Helfer zur Abgabe einer qualifizierten Lagemeldung an die Rettungsleitstelle.
Vor Dienstbeginn ist von den eingeteilten Helfern Fahrzeug und Material zu prüfen. Zur Dokumentation der Einsätze wurden spezielle Einsatzprotokolle entworfen, um die Einsatzzeiten und die vom Team eingeleiteten Maßnahmen zu dokumentieren. Die Einsatzzeiten werden per Telefon nach dem Einsatz bei der Rettungsleitstelle Karlsruhe abgefragt, die diese im Einsatzleitrechner dokumentiert. Nach belastenden Einsätzen - z. B. einer erfolglosen Reanimation - findet mit den beteiligten Helfern, direkt danach oder später, grundsätzlich ein Abschlussgespräch statt. Dies gibt den Helfern die Möglichkeit das Erlebte zu verarbeiten. Hierzu steht jederzeit ein Ansprechpartner zur Verfügung. Ggf. wird eine Supervision durch eine örtlich tätige Psychologin durchgeführt.
Über die "Schnell-Einsatz-Teams" des DRK-Ortsvereins Rheinstetten-Mörsch e.V. wurde zwecks Öffentlichkeitsarbeit ein professioneller Videokurzfilm gedreht, der auch beim Bundeskongress Rettungsdienst 1994 in Köln im Videoforum gezeigt wurde. Überhaupt stellt eine intensive Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Brücke zum Gelingen eines solchen Projektes dar, zumal die Finanzierung von Ausbildung und Material nach wie vor auf Förderbeiträge und Spenden angewiesen ist.
Weitere Veröffentlichungen finden Sie in unserer Rubrik Presse und Literatur.
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Zur Einrichtung des Projektes "Schnell-Einsatz-Team" war eine Startfinanzierung von ca. 4.000 DM notwendig. Bei den meisten sonstigen Utensilien konnte auf schon vorhandenes Material der DRK-Bereitschaft zurückgegriffen werden. Jeder Helfer wurde und wird mit zeitgemäßer Sicherheitsausstattung ausgerüstet. Alle Helfer sind mit modernen Funkmelde-Empfängern ("Piepser") ausgerüstet und somit auch einzeln oder gruppenweise alarmierbar.
Tagebuch (Weiterentwicklung)
- Dezember 1994: Ein gebrauchtes Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) wird vom DRK-Kreisverband Ravensburg erworben und für die Zwecke der "Schnell-Einsatz-Teams" ausgerüstet.
- Januar 1995: Ein Fachartikel von J. Schöchlin, F. Ayasse und T. Lorch über das Projekt erscheint in der Zeitschrift "RETTUNGSDIENST". Sehr große Resonanz bis heute. Viele Zuschriften aus dem gesamten Bundesgebiet.
- April 1995: Einladung zum Notfallsymposium in Hofgeismar. Diskussion mit Experten.
- August 1995: Übernahme und Ausrüstung eines KTW 4-Tr, Ford-Transit, des KatS. Ausmusterung des betagten VW KTW, Baujahr 1976.
- September 1995: 60-jähriges Jubiläum des DRK-Mörsch. Großes Interesse der Bevölkerung anlässlich einer realitätsnahen Übung zusammen mit Rettungsdienst, SEGen und Feuerwehr beim "Tag der offenen Tür".
- Oktober 1995: Die Volksbank Rheinstetten spendet einen Notfallkoffer im Wert von 3.200 DM.
- April 1996: Einführung der "Schnell-Einsatz-Teams" als "Notfallhilfe vor Ort" durch den DRK-Kreisverband Karlsruhe e.V., 33 DRK-Bereitschaften beteiligen sich an diesem Projekt. Als einzige Gemeinde im Landkreis Karlsruhe kann Rheinstetten flächendeckend versorgt werden, da alle drei DRK-Ortsbereitschaften werktags, an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr alarmierbar sind.
- Mai 1996: Die Einsatztaktik wird geändert. Feste Diensteinteilungen werden nur noch für die Sonntage vorgenommen. Es werden 3 Helfer mit Notfalltaschen, die die wichtigsten Materialien zur Erstversorgung von internistischen und chirurgischen Notfällen enthalten, ausgerüstet. Diese Helfer wohnen im Ortsbereich an strategisch günstigen Stellen und können im Notfall jeden Punkt im Ortsbereich mit dem Privatfahrzeug in annehmbarer Zeit erreichen. Darüber hinaus wird das Einsatzfahrzeug bei einem entsprechend qualifizierten Helfer zu Hause stationiert. Damit ist eine 90%-ige Einsatzsicherheit gewährleistet.
- Dezember 1996: Primär und sekundär erfolgreiche Reanimation eines Herzpatienten. Der Patient erfreut sich bis heute - nach einer Bypassoperation - wieder bester Gesundheit. Weitere erfolgreiche Reanimationen sollten folgen.
- Mai 1997: Das Präsidium des DRK will die Initiative Schnell-Einsatz-Team flächendeckend in ganz Deutschland etablieren (siehe DRK-Soforthilfe-Report, Bonn, Ausgabe 7, Mai 1997).
- Juni 1997: Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat als erster Landesverband das "Ersthelferprojekt" flächendeckend eingeführt.
- Im Jahr 1998 wurden bei 114 Einsätzen 121 Patienten versorgt.
- März 1999: Wir ändern die Einsatztaktik erneut, um die Auslastung der einzelnen Helfer besser zu verteilen. Es werden wieder feste Teams nach einem Rotationsschema eingeteilt. Das Einsatzfahrzeug steht bei einem dieser Helfer. Ein weiteres Fahrzeug aus Beständen des Katastrophenschutzes wird zusätzlich eingesetzt, wenn die diensthabenden Helfer zu weit auseinander wohnen.
- November 1999: Konzeptionierung des Projektes "Frühdefibrillation mittels halbautomatischen Defibrillatoren" als Ergänzung und Weiterentwicklung unserer bisherigen Arbeit.
- Im Jahr 1999 wurden bei 118 Einsätzen 118 Patienten erstversorgt.
- Anfang Januar 2000: Die Firma Bruker Medical Cardio GmbH (heute Schiller) bietet ein Sponsoring der Initiative Schnelleinsatzteam an. Ein automatischer Defibrillator des Typs "FRED" wird uns zum halben Neupreis angeboten. Um dies zu finanzieren stellen wir zusammen mit dem DRK-Ortsverein Forchheim einen Antrag auf Maßnahmenförderung bei der Stadt Rheinstetten.
- 12. Januar 2000: Herr Prof. Dr. med. Manfred Zehender, Oberarzt der Abt. Innere Medizin III - Kardiolodie u. Angiologie - der Universitätsklinik Freiburg, sagt eine wissenschaftliche Beratung des Projekts "Verkürzung des therapiefreien Intervalls mittels ersthelfergestütztem Defibrillationssystem" zu.
- Februar 2000: Dr. med. Harald Keller von der Abt. Anästhesie des Diakonissenkrankenhauses Karlsruhe Rüppurr sagt seine Unterstützung bei der Schulung und Überprüfung der Helfer in Defibrillationsmassnahmen zu.
- 22. Februar 2000: Der Stadtrat der Stadt Rheinstetten lehnt trotz Empfehlung der Verwaltung und Befürwortung des Projekts durch führende Karlsruher Mediziner (u.a. Prof. Dr. Mehmel vom Städt. Klinikum und Prof. Dr. Gonska vom Vincentius Krankenhaus) eine Förderung in Höhe von 5.700 DM zur Anschaffung eines halbautomatischen Defibrillators durch das DRK ab. Ein Stadtratmitglied bezeichnet die Helfer des DRK in Rheinstetten als "defibrillationswütige Laien", vor denen die Rheinstettener Bürger geschützt werden müssen. Wir fragen uns, warum andere Landkreisgemeinden ähnlichen Projekten sehr viel offener gegenüber stehen. Monate später wird es - zumindest teilweise - zu einem Sinneswandel unter den Stadtratmitgliedern kommen: Die einzelnen Fraktionen schieben sich gegenseitig den "Schwarzen Peter" zu.
- 23. Februar 2000: Jetzt erst recht! Wir werden den Defi selber finanzieren. Wir und die mit uns zusammenarbeitenden Mediziner sind von der Wichtigkeit eines solchen Gerätes in der Hand von speziell geschulten Ersthelfern überzeugt! In den letzten 3 Monaten hätten zwei nach frustraner Reanimation verstorbene Patienten die Chance zum Überleben gehabt, wenn wir mit einem solchen, auch "AED" (= Automatischer Externer Defibrillator) genannten, Gerät ausgerüstet gewesen wären.
- März 2000: Erste Spenden werden mal wieder von denen gemacht die mit dem "AED" arbeiten werden. Fördermitglieder des DRK-Mörsch spenden spontan größere Geldbeträge zur Beschaffung des "AED".
- Juni 2000: Das Deutsche Rote Kreuz, Kreisverband Karlsruhe e.V. will ein flächendeckendes "Frühdefibrillationsprogramm" einrichten. Dieses Projekt wird vom Städtischen Klinikum Karlsruhe und den St. Vincentius Krankenhäusern in Karlsruhe unterstützt.
- 2. Juli 2000: Da wir in den "Rheinstettener Nachrichten" wegen der Ablehnung unseres Antrags auf Bezuschussung des Defis Kritik am Stadtrat geübt haben, will CDU-Stadtrat Heinz Deck 50 Mitglieder des CDU-Ortsverbandes dazu animieren, unserer Blutspendeaktion am 6. Juli 2000 fern zu bleiben. Wir bedauern diese Art politischer Diskussion sehr, weil sie potentielle Unfallopfer trifft.
- 7. Juli 2000: Die Blutspendeaktion ist trotz "CDU - Boykott" erfolgreich verlaufen. Von 149 Spendenwilligen, wurden 133 zur Blutspende zugelassen, darunter 13 Erstspender. Eine Steigerung um über 30%, im Vergleich zu den Jahren davor. Besonders die hohe Quote der Erstspender ist ein Hinweis für uns, daß auch soziales Engagement eine Lobby hat.
- 13. Juli 2000. Wir haben bei der Firma Bruker-Medical Cardio GmbH einen halbautomatischen Defibrillator, Typ FRED, bestellt. Das Gerät wird uns in 6 Wochen geliefert. Dr. Keller wird uns an diesem Gerät ausbilden. Das Gerät ist mit Pulsoxymetrie und EKG-Monitor ausgerüstet, so daß wir es auch bei der Notfalldiagnostk einsetzen können. Der Firma Bruker-Medical und ihrem Geschäftsführer, Herrn Ludwig Burkart, sei hier noch einmal herzlich gedankt. Ohne das finanzielle Entgegenkommen von dort wäre die Anschaffung nicht möglich gewesen. Ganz besonderer Dank gilt den Bürgerinnen und Bürgern aus Rheinstetten-Mörsch für große und kleine Spenden sowie den Firmen "Rudi Zens Abbruchunternehmen" und "Automarkt Rheinstetten" und deren Firmeninhabern für die großzügigen Spenden, die uns sehr weit gebracht haben.
- August 2000. Das DRK in Rheinstetten führt eine Mitgliederwerbeaktion durch. Die Initiative Notfallhilfe vor Ort/ Schnelleinsatzteam hat dazu beigetragen, daß sich etliche Rheinstettener Bürgerinnen und Bürger entschlossen haben, bei uns Mitglied zu werden, um die Rheinstettener DRK-Gliederungen mit ihrem Förderbeitrag finanziell zu unterstützen.
- 12. September 2000: Im Rotkreuzzentrum in Rheinstetten-Forchheim werden den DRK-Ortsvereinen Forchheim und Mörsch die Defis vom Typ F.R.E.D. übergeben und eine Einweisung nach dem Medizinproduktegesetz durch den Hersteller durchgeführt. Noch am selben Abend werden die Sanitäter der Bereitschaften Forchheim und Mörsch in die Gerätehandhabung eingewiesen. Unter Aufsicht von Dr. Keller wird die schon mehrmals im Vorfeld geübte sinn- und wirkungsvolle Einbindung der Geräte in den Reanimationsablauf abgenommen. Die Notfallhilfeteams in Forchheim und Mörsch sind somit in der Lage, im Fall eines Herzkammerflimmerns die Frühdefibrillation durchzuführen als auch die Geräte zur Notfall-Diagnostik einzusetzen.
- 16. September 2000: Der erste Einsatz mit dem neuen Gerät erfolgte in Mörsch. Das Gerät wurde zur Diagnostik im Rahmen einer Kreislaufdisregulation eingesetzt.
- Oktober 2000: Die Mitgliederwerbeaktion, die am 1. August 2000 begonnen hatte, hat uns 179 neue Mitglieder gebracht. Ein tolles Ergebnis, welches uns in der Haltung bestärkt, weiterhin durch Taten die Bevölkerung davon zu überzeugen, daß das Rote Kreuz vor Ort trotz ausschließlich ehrenamtlicher Einsatzkräfte professionell zum Wohle aller arbeitet.
- 11. Oktober 2000: Die Defibrillatoren des Typs FRED werden den Kollegen vom DRK-Forchheim und uns durch die Geschäftsführer Ludwig Burkart und Dipl.-Ing. Karl Schneider der Firma Bruker Medical Cardio GmbH im Rahmen einer Pressekonferenz im Rotkreuzzentrum in Forchheim offiziell übergeben. Im Anschluss an die Übergabe und die Pressekonferenz findet eine Vorführung der Geräte statt, bei der die Indikation zum Geräteeinsatz und Funktion der Geräte den interessierten Gästen näher gebracht werden. Bürgermeister Dietz, ebenfalls anwesend, ist beeindruckt von der Vorführung und verspricht, sich im Stadtrat nochmals für eine Bezuschussung einzusetzen.
- 13. Oktober 2000: 2 Tage nach der offiziellen Übergabe der Geräte wird durch uns ein 71-jähriger Mann mit Herzkammerflimmern im Rahmen einer Reanimation erfolgreich defibrilliert. Auch nach Eintreffen der Notärztin Dr. Wolff und des RTW wird die weiterführende Behandlung und EKG-Diagnostik mit unserem Gerät durchgeführt bis der Patient in den RTW verbracht ist. Der Patient wird mit effektivem und stabilem Sinusrhythmus ins Krankenhaus eingeliefert. Die Notärztin lobt das professionelle, überlegte und effiziente Handeln der ehrenamtlichen Helfer auch in der Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst.
- 24. Oktober 2000: Bürgermeister Dietz hat Wort gehalten und uns zu einer Vorführung von FRED in die Sitzung des Stadtrates eingeladen. Der DRK-Ortsverein Neuburgweier hat zwischenzeitlich auch einen Antrag auf Bezuschussung eines Defibrillators bei der Stadt Rheinstetten gestellt. Mit den Kollegen vom DRK-Forchheim und Ludwig Burkart von Bruker erläutern wir erneut das Projekt und demonstrieren den Umgang mit dem Defi. Anschließend stehen wir den Stadträten Rede und Antwort. Einige Stadträte der CDU-Fraktion versuchen uns zu provozieren und die ansonsten sehr sachliche Diskussion mit persönlichen Angriffen und Parteipolitik zu garnieren. Wir hoffen, dass sich der Stadtrat in seinen anstehenden Haushaltsberatungen trotz Landtagswahlkampf für die gute Sache und einen zweckgebundenen Zuschuss an alle DRK-Bereitschaften in Rheinstetten entscheidet.
- November/Dezember 2000: Der DRK-Kreisverband Karlsruhe e.V. bietet für die Bereitschaften und Notfallhilfegruppen die Fortbildungen "Reanimationstrainung" und "Frühdefibrillation" an. Mehrere Gruppen haben sich zwischenzeitlich einen FRED zugelegt und wollen in das Projekt einsteigen.
- 8./9. Dezember 2000: Der erste Ausbilderlehrgang für die Schulungen "Reanimationstraining" und "Frühdefibrillation" findet in Karlsruhe statt. Insgesamt 16 Teilnehmer (überwiegend Lehrrettungsassistenten) werden vom Lehrbeauftragten des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg, Herrn Michael Schwab, in das neue Programm eingewiesen. Die Presse ist ebenfalls eingeladen. Der Lokalsender Welle Fidelitas sendet am 11.12.2000 ein Interview mit unserem Bereitschaftsleiter Dr. Jürgen Schöchlin. Christoph Lippay vom Verlag Stumpf & Kossendey informiert sich ausführlich über das Projekt und die Historie der Notfallhilfe im DRK-Kreisverband Karlsruhe e.V., welche ja bekanntlich beim DRK-Mörsch ihren Ursprung hatte.
- 21.12.2000: Neuzulassung unseres ersten RTW. Diesen haben vom DRK-Kreisverband Karlsruhe e.V. erworben. Nach der erfolgreichen Wiederaufrüstung des abgeschriebenen Fahrzeuges haben wir den 4-Tragen-KTW des Katastrophenschutzes, der uns 5 Jahre treue Dienste geleistet hat, an die DRK-Bereitschaft Völkersbach übergeben.
- 31.12.2000: Im Jahr 2000 wurden von uns bei 159 Einsätzen insgesamt 153 Notfallpatienten erstversorgt.
- 02.01.2001: Der Landrat des Landkreises Karlsruhe (Claus Kretz) und der Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe (Heinz Fenrich) berufen gemäß § 5 Abs. 2 des Rettungsdienstgesetzes unseren Bereitschaftsleiter Dr. Jürgen Schöchlin als stimmberechtigtes Mitglied in den Bereichsausschuss für den Rettungsdienstbereich Karlsruhe.
- 19.02.2001: Die DRK-Notfallhilfe Neuburgweier rettet einem 46-jährigen Patienten das Leben. Rechtzeitige Reanimation und Defibrillation bewahrte den Mann vor neurologischen Folgeschäden. Der Patient ist zwischenzeitlich von der Klinik nach Hause zu seiner Familie entlassen. Gratulation an Adolf Ret und seine Helfer.
- 12.03.2001: Die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Rheinstetten hat den drei DRK-Ortsvereinen Forchheim, Mörsch und Neuburgweier 2.100,00 DM für die Ausrüstung der Notfallhilfegruppen mit Defibrillatoren gespendet. Die offizielle Übergabe findet im Rahmen der Fraktionssitzung an diesem Tag statt. Zitat aus dem Anschreiben: "[..] Wir glauben, es ist an der Zeit, dass nun auch nach außen Zeichen gesetzt werden, die Ihre wertvolle Arbeit in aller Öffentlichkeit unterstützen und bekräftigen [...]".
- April 2001: In der bundesweit verbreiteten Fachzeitschrift "Im Einsatz" erscheint ein Artikel von Christoph Lippay über das Frühdefi-Projekt in und um Karlsruhe. Unsere Vorreiterrolle wird ausführlich dokumentiert. Den Artikel und weitere Pressemitteilungen finden sie in unserer Rubrik "Presse & Literatur".
- 18.04.2001: Im Rahmen einer kleinen Feierstunde überreicht uns Bürgermeister Dietz mehrere Funkmelder aus Beständen der Feuerwehr Rheinstetten. Kommandant Josef Kästel hat im Zuge der Umstellung der Feuerwehren auf digitale Alarmierung an die örtlichen Rotkreuzbereitschaften und die Kameraden der DLRG gedacht. Wir können die Geräte, die alle in einem guten Zustand sind, wirklich gebrauchen. Herzlichen Dank hierfür !
- 05.05.2001: Bürgermeister Gerhard Dietz spricht - im Rahmen unserer Veranstaltungen zum Weltrotkreuztag 2001 - den Helfern der DRK-Notfallhilfe Neuburgweier offiziell seinen Dank für die erfolgreiche Reanimation vom 19. Februar dieses Jahres aus.
- 22.05.2001: Unsere Hartnäckigkeit hat sich gelohnt. Der Stadtrat beschließt, jedem der drei DRK-Ortsvereine in Rheinstetten einen Zuschuss von DM 5.000,00 für den Kauf eines AED zu gewähren. Damit können wir unsere Schulden bei Bruker/Schiller bezahlen und der OV Neuburgweier kann endlich den letzten in Rheinstetten noch fehlenden Defi bestellen. Wir bedanken uns für die Einsicht und versichern, alles in unserer Macht stehende zu tun, mit dem Geld weitere Menschenleben zu retten.
- 28.06.2001: Bürgermeister Dietz teilt uns in einem Schreiben offiziell mit, dass "... im Haushalt 2001 insgesamt 15.000 DM (für jeden DRK-Ortsverein 5.000 DM) für die Anschaffung von Defibrillatoren bereitgestellt sind. Sowohl der Stadtrat als auch meine Person haben Ihre Anträge positiv beschieden. [...] Die Stadt Rheinstetten weiß die Notfallversorgung durch die DRK-Ortsvereine in Rheinstetten sehr zu schätzen - dafür danken wir Ihnen - und es ist unser Anliegen, Sie dabei im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen."
- Juli 2001: In der Firmenzeitschrift Schiller Rescue News Nr. 1/2001 erscheint ein Interview mit J. Schöchlin über das Karlsruher Frühdefibrillations-Projekt. Den Artikel und weitere Pressemitteilungen finden sie in unserer Rubrik "Presse & Literatur".
- 17.07.2001: Nachdem unser BMW einen Motorschaden hatte, übernehmen wir an diesem Tag das Ersatz-NEF der Rettungswache Bretten vom DRK-Kreisverband Karlsruhe e.V. Eine halbe Stunde nach Überführung fahren wir schon den ersten Einsatz mit unserem neuen "Schnelleinsatzgruppenfahrzeug".
- 14.09.2001: Das Frühdefi-Projekt des DRK-Kreisverbandes Karlsruhe bekommt einen 1. Preis mit Belobigung bei der Aktion "Bürger machen Staat" des CDU-Bezirksverbandes Nordbaden. Kreisvorsitzender Kurt Bickel, Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann und Dr. Jürgen Schöchlin nehmen den Preis in Karlsruhe-Neureut aus den Händen von Innenminister Thomas Schäuble entgegen. Eine Pressenotiz hierzu finden sie in unserer Rubrik "Presse und Literatur".
- 08.11.2001: Auf unsere Einladung hält Prof. Bernd-Dieter Gonska, Chefarzt der kardiologischen Abteilung der St.-Vincentius Krankenhäuser Karlsruhe, einen Vortrag über Frühdefibrillation im Seniorenzentrum Rösselsbrünnle in Rheinstetten. Es herrscht reges Interesse seitens der Bevölkerung.
- 31.12.2001: Im Jahr 2001 wurden von uns bei 201 Einsätzen insgesamt 200 Notfallpatienten erstversorgt.
- 22.03.2002: Erfolgreiche Frühdefibrillation bei einem 47-jährigen Patienten in Mörsch.
- 01.05.2002: Offizielle In-Dienst-Stellung der SEG-Süd.
- 31.07.2002: Primär erfolgreiche Frühdefibrillation bei einem 81-jährigen Patienten in Forchheim. Leider stirbt der Mann einen Tag später im Krankenhaus.
- 22.11.2002: Unser Smart (Herzmobil) wird geliefert. Am 23.11.2002 fahren wir bereits die ersten Einsätze mit dem Fahrzeug.
- 07.12.2002: Feierliche Übergabe unseres neuen "Blaulichtsmart" durch Bürgermeister Gerhard Dietz und Kreisvorsitzender Kurt Bickel im Beisein der Sponsoren.
- 31.12.2002: Unsere Helferin Sandra Kleinknecht wird vom Deutschlandradio (DLR) zum Thema "Frühdefibrillation" interviewt. Der Beitrag wird am 14.01.2003 gesendet.
- 31.12.2002: Im Jahr 2002 wurden von uns bei 215 Einsätzen insgesamt 215 Notfallpatienten erstversorgt. Bei 11 Menschen kam auch unsere schnelle Hilfe leider zu spät. Die Presse berichtet ausführlich über unsere Jahresstatistik.
- 17.01.2003: Autorenlesung im Seniorenzentrum Rösselsbrünnle von Dr. Manfred Rommel, Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart a.D. Auf ausdrücklichen Wunsch von Dr. Rommel erhalten wir den Erlös der Veranstaltung, um damit unser Projekt Notfallhilfe/Herzmobil zu finanzieren. Die BNN und andere Medien berichten darüber ausführlich.
- Februar/März 2003: Die Fa. IncentiveMed bildet alle HelferInnen der Notfallhilfen Forchheim, Mörsch und Neuburgweier kostenlos in der Applikation des Combi-Tubus aus.
- 22.04.2003: Erster Einsatz des Combi-Tubus bei einer (leider erfolglosen) Reanimation. Die Ausbildung hat sich trotzdem bewährt: Es war alles so, wie wir es geübt haben. Danke an Bernd Fertig und Stephan Murböck.
- 25.04.2003: Übergabe eines Mannschaftstransporters (MTW) aus Beständen des Katastrophenschutzes. Auf das Fahrzeug haben wir über 2 Jahre gewartet, nach dem das Vorgängerfahrzeug wegen "Altersschwäche" und Rost ausgemustert wurde.
- 10.08.2003: Unser Herzmobil hat Jubiläum ! Beim 100. Notfalleinsatz seit Übergabe des Fahrzeuges versorgen wir eine ältere Dame im Seniorenzentrum Rösselsbrünnle bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
- 24.08.2003: Wir helfen dem Notarzt mit unserem Combitubus aus, nachdem dieser eine reanimationspflichtige 46-jährige Patientin mit V.a. Subarachnoidalblutung konventionell nicht intubieren kann. Mit dem Combitubus gelingen die Intubation und Beatmung problemlos.
- 31.08.2003: Erfolgreiche Reanimation eines 49-jährigen Mannes auf der Straße. Der Patient hatte einen Herzinfarkt erlitten und war noch während der Anfahrt unserer Helfer ins Kammerflimmern gerutscht. Die sofortige Defibrillation (1 Schock) ist erfolgreich. Der Patient kommt mit stabilen Kreislaufverhältnissen ins Krankenhaus. Er wird später ohne neurologische Schäden entlassen.
- 31.12.2003: Im Jahr 2003 wurden von uns bei 218 Einsätzen insgesamt 209 Notfallpatienten erstversorgt. Bei 10 Menschen kam auch unsere schnelle Hilfe leider zu spät.
- März 2004: Bericht über unser 10-jähriges Jubiläum in der Zeitschrift "Rettungsdienst".
- 15.05.2004: Wir feiern nachträglich unser 10-jähriges Jubiläum. Mit dabei sind viele Ehemalige und immer noch aktive Helfer, Ehrengäste, Sponsoren etc.
- 10.06.2004: Erfolgreiche Reanimation einer 46-jährigen Mutter von 2 Kindern.
- 17.07.2004: Erfolgreiche Reanimation eines 42-jährigen Mannes.
- 31.12.2004: Im Jahr 2004 wurden von uns bei 174 Einsätzen insgesamt 169 Notfallpatienten erstversorgt. Zwei Menschen konnten durch unsere unmittelbare Hilfe erfolgreich wiederbelebt werden. Bei fünf Menschen kam jede Hilfe zu spät.
- 11.12.2005: Erfolgreiche Reanimation einer 75-jährigen Frau auf der Treppe einer Gaststätte. Die Patientin hatte einen Herzinfarkt mit Kammerflimmern erlitten. Im Februar 2006 besuchen wir die Patientin und ihren Ehemann zu Hause. Sie hat keine Folgeschäden zu beklagen.
- 31.12.2005: Im Jahr 2005 wurden von uns bei 178 Einsätzen insgesamt 183 Notfallpatienten erstversorgt. Vier von acht Menschen konnten durch unsere unmittelbare Hilfe primär erfolgreich wiederbelebt werden.
- Mai 2006: Unser Artikel über die ersten nachgewiesenen Erfolge der First-responder Idee wird in der Zeitschrift "Rettungsdienst" veröffentlicht.
- Juni 2006: Wir vereinbaren eine enge Kooperation mit dem Seniorenzentrum Rösselsbrünnle. Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der Zusammenarbeit zum Wohle der über 200 Bewohner des Zentrums.
- 01.11.2006: Übergabe der Notruftafeln für Feld und Wald in Rheinstetten.
- 31.12.2006: Im Jahr 2006 wurden von uns bei 226 Einsätzen insgesamt 243 Notfallpatienten erstversorgt.
- 24.03.2007: Feierliche Übergabe unseres neuen Einsatzfahrzeuges.
- 01.04.2007: Wir stellen unsere SEG-Rauchgas in Dienst. Bereits am 05.04.2007 (Gründonnerstag) versorgen wir 7 Jugendliche mit V.a. Rauchgasvergiftung.
- 26.06.2007: Ein 57-jähriger Mann wird von einer Wespe gestochen. Er reagiert mit einer massiven allergischen Reaktion und Atemstillstand. Wir sind bereits 3 Minuten nach dem Alarm vor Ort und können ihm das Leben retten.
- 31.12.2007: Im Jahr 2007 wurden von uns bei 260 Einsätzen insgesamt 255 Notfallpatienten erstversorgt.
- 02.02.2008: Wir können eine 81-jährige Patientin erfolgreich nach Bolusaspiration reanimieren.
- 31.12.2008: Im Jahr 2008 wurden von uns bei 210 Einsätzen insgesamt 194 Notfallpatienten erstversorgt.
- 09.03.2009: Wir können einen jungen Familienvater, der sich vor unseren Augen aufgehängt hat, gerade noch noch rechtzeitig abschneiden und ihm so das Leben retten.
- 18.03.2009: Wir übergeben ein weiteres neues Einsatzfahrzeug an unsere Helfer.
- 23.12.2009: Unser "neuer" Notfall-KTW ist fertig.
- 31.12.2009: Im Jahr 2009 wurden von uns bei 294 Einsätzen insgesamt 309 Notfallpatienten erstversorgt.
Notfallhilfe ohne Worte
Zuletzt ein kleiner "clip" von unseren Kollegen vom DRK Reihen, welcher den frist-responder Ansatz (hier: HvO = Helfer vor Ort genannt) ohne weitere Worte erläutert. So einfach ist das ...







